Gestern Shopaholic, heute Fashionmuffel?

Shoptildrop

Ich habe diese Woche mal wieder Klamotten bestellt. Und zwar ganz schön viele, um genau zu sein. Wo? Mhm, also, darüber haben mein Gewissen und ich absolutes Stillschweigen vereinbart. Anders gehts nicht. Warum? Weil ich demnächst immer mal wieder Jobtermine haben werden, an denen ich irgendwie nett aussehen muss. Und weil meine Garderobe, die dafür sorgt, dass ich bei Jobterminen nett aussehe inzwischen entweder total in die Jahre gekommen, nur für den Sommer geeignet oder ausgeleiert, gelöchert oder sonst irgendwie kaputt ist. Oder dummerweise ausgemistet wurde.

Nachdem ich im Dezember schon einmal einen Anlauf unternommen und die größte Versandkiste ever zuhause stehen, aber alles wegen „Gefällt mir nicht mehr“ zurück geschickt hatte, führt diesmal kein Weg dran vorbei: Ich brauche dringend ein paar Kleidchen, termintaugliche Hosen und coole Oberteile und die gibt es fair & gut produziert einfach nicht. Weder im für mich möglichen Preisrahmen noch im erwünschten Schick, und daher habe ich gleich zwei verschiedene Onlineshops gefühlt leer gekauft.

Aber: Das hat mir keinen Spaß gemacht.

Ehrlich. Das war nur müssen, nicht wollen.

Was ist nur mit mir passiert? Interessiert mich Mode nicht mehr? Mag ich shoppen nicht mehr? Will ich nicht mehr gut aussehen?

Blödsinn! Natürlich. (Das Gegenteil beweist meine Friseur-Rechnung, die immer wieder Schockmomente auslöst.)

Aber, irgendwie, mhm, naja. Denn ich ertappte mich beim Onlineshoppen ständig bei dem Gedanken, dass ich das alles nicht machen würde, wenn ich nicht müsste. Dass ich zwar andauernd diese „Alles so langweilig hier und ich habe wirklich nichts zum Anziehen“ Momente vor meinem Kleiderschrank habe, aber dann doch irgendwas finde, das mich ganz ok kleidet. Und dass ich auf den Rest verzichten kann. Dass es mich nicht mehr so sehr interessiert, sich mein Fokus verschoben hat. Dass ich fast schon erstaunt bin, wenn ich Fashionmagazine aufschlage, weil DAS der neue Trend sein soll. Pinke Bundfaltenhosen als absolutes Must-Have der Sommersaison? Echt jetzt? Oder hab ich das völlig falsch interpretiert?

Vielleicht bin ich in die Jahre gekommen, vielleicht bin ich jetzt ne echte Mutti, vielleicht zu bequem geworden (aber nee wirklich nicht. Mein Leben ist in den letzten Jahren eher deutlich unbequemer geworden. Kinder sind unbequem und sich Gedanken machen sowieso. Aber es ist zum Glück auch viel erfüllter geworden. Mit Liebe und Lachen und dem eindeutigen Wissen, was wirklich wichtig ist. Echt jetzt.), vielleicht mag ich meine Home-Office-tauglichen Hoodies kombiniert mit ein paar coolen Schuhen einfach zu gerne. Aber tatsächlich sind es immer wieder gekonnt gestylte Basics, bei denen ich eher in Verzückung gerate als bei High Fashion. Und ich finde einkaufen inzwischen total doof. Sowohl online als auch in der Stadt. Bin ich also wirklich mutiert vom Shopaholic zum Fashionmuffel? Echt jetzt?

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15 Gedanken zu „Gestern Shopaholic, heute Fashionmuffel?

    • Oh, ich kann deinen Ansatz total gut verstehen!! Und genau mit diesem rechtfertige ich immer wieder, dass ich an sich total gerne konsumiere, denn ganz oft macht mich shoppen – allerdings eben nicht mehr Klamottenshoppen – doch irgendwie glücklich. Aber: Eine Shoppingdiät hat durchaus total Sinn. Weil jeder von uns in der Regel viel zu viel kauft. Und weil das viel zu viel auch noch unter ganz ganz schlimmen Bedingungen für Mensch und Natur hergestellt wird. Und weil eine Shoppingdiät der Anfang eines Umdenkens ist. Hätte ich auch nicht gedacht, aber in meinem Jahr Shoppingdiät (und ich habe vorher Shoppen als Stressventil mit Ausgaben von 200-400 EUR im Monat betrieben) habe ich so viel über mich und die ganze Textilindustrie gelernt – das wäre alles nicht passiert, wenn ich einfach so weiter gemacht hätte wie bisher. Lange Rede kurzer Sinn: Gar nichts mehr einkaufen ist tatsächlich nur sehr beschränkt gut, denn wie Karl Lagerfeld es mal so schön sagte, das Geld muss zirkulieren. Wichtig ist aber bewusstes Konsumieren. Und das habe ich gelernt (auch wenn ich es nicht immer durchziehen kann) und dafür bin ich. Echt jetzt.

      • Gute Erklärung! Aber ich komme genau aus besagter Textilbranche und eingeschränkter Konsum ändert an den Bedingungen in Bangladesh und Co. null und gar nichts. Dann lassen wir die Arbeiter da ganz einfach nur verhungern….! Besseres Hinschauen und kritisches Einkaufen ist gefragt, und dabei sollte man zuerst die Billiggiganten boykottieren, denn diese unterstützen die Misere in diesen Ländern. Aber Shoppingdiät ist ganz bestimmt nicht die Lösung. Das scheinst Du ja aber gut reflektiert zu haben. Danke 🙂

      • Genau, Hinschauen und bewusst konsumieren ist tatsächlich der Ansatz – und das schaffen viele erst durch einen zeitweisen Totalverzicht. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass sich die allermeisten Menschen überhaupt keine Gedanken machen, woher ihre Sachen kommen und wie sie produziert werden. Sie sehen nur die coolen Klamotten und wollen sie haben, genau wie sie hunderttausend andere Sachen auch haben wollen oder schon im Schrank hängen haben. Das ist eben das Gegenteil von Hinschauen und kritischem Einkaufen.
        Und leider leider gebe ich dir Recht, dass das alles nichts an den schlimmen Bedingungen in den Produktionsländern ändert. Dazu bräuchte es viel viel mehr. Dennoch, wenn immer mehr Menschen darauf aufmerksam werden – durch eine Shoppingdiät oder wie auch immer – dann ist schon mal ein bisschen was getan. Hoffentlich. (Denn die Welt ist schlecht, hinterhältig und gemein… Aber das ist fast nicht zu ertragen, daher mache auch ich immer wieder die Augen und Ohren zu…)

      • In der Konsequenz: genau! Habe heute ganz viel darüber nachgedacht und bin zum Entschluss gekommen: eine Diät sollte immer etwas zeitlich begrenztes sein und daher ist sie ok. Kompletter Konsumverzicht: auf keinen Fall!

  1. Ach Mutti, ich kann dich so gut verstehen. Shoppen ist auch irgendwie so nix mehr für mich. In den Einkaufstempeln halte ich es nicht mehr aus und irgendwie kann ich den ganzen Klamottenrinheitsbrei auch nicht mehr sehen… Aber meine ollen Klamotten Zuhause oft auch nicht mehr 😒 Ein Dilemma.
    Und dazu kommt ja dann, wie du schon sagt, immer das schlechte Gewissen, wenn man zu „normalen“ Preisen einkauft. Hmmmm, ich kann den Klamottenchemiegeruch schon riechen…
    Ich bin froh, auf der Arbeit uniformiert rumlaufen zu müssen 😄

    Ich grüße dich, du Schöne mit der neuen Frisur!

    • Ach übernächtigte Magen-Darm-Mutti,
      vielen Dank für deine Worte! Ich beneide dich gerade sehr, ich würde auch gerne einen uniformierten Job machen, glaube ich. Ach, vielleicht auch nicht, keine Ahnung. Aber dieses Shoppen, bäh. Ich wünsche mir einen Personal Shopper, der lauter tolle, leistbare, faire, schicke Bio-Öko-Klamotten für mich findet, in denen ich aussehe wie ein Supermodel. Das wäre fein.

      Immerhin hab ichs zum Friseur geschafft! Und ich war danach nur ein ganz kleines bisschen ko, weil ich einen 30-Minuten Dialog eben dieses über mich ergehen lassen musste, da ich es gewagt habe zu sagen, dass meine schönen Haare jetzt einen Orange-Stich haben. Weißt du, Sehen und Erinnerung ist nämlich etwas ganz subjektives und Farben sehen kann sowieso niemand. Rot ist nicht rot und grün nicht grün, habe ich gestern gelernt. Und dazu noch jede Menge über das menschliche Auge und die Individualität der Betrachtung. Ich sag ja, anstrengender Termin. Aber wenn das Orange (das ganz subjektiv betrachtet aber kein bisschen vorhanden ist) erst mal weg ist, bin ich auch wieder schön. Im Rahmen des Möglichen eben, ohne Supermodel-Gene.

      Lass es dir gut gehen, du Liebe! 🙂

      • Oh ha, oh ha. Der Typ muss unfassbar gut schneiden und färben können! Anders könnte ich mir deinen Stammkundenstatus bei ihm nicht erklären 😄

        Und! – wenn du den Personal-Shopper gefunden hast, dem darfst du dann bitte direkt meine Adresse gäben.

        Ich übernächtige Mutter war heute auf der Arbeit. Meine Hautfarbe glich der meiner „Uniform“. Schneeweiß 😄 nur leider nicht so faltenfrei 😁 Soviel zu den Topmodelgenen.

      • Ja, gut ist er. Der Beste, den ich je hatte. Zum Glück, sonst gäbe es absolut keine Daseinsberechtigung für seinen Laden und den Stress, den er seinen Kunden antut. 🙂

        Und halte durch, bald scheint die Sonne in dein Gesicht und nimmt die noble Blässe fort! (Hab ich schon mal gesagt, dass es hier im Frühling auch sehr schön ist…? Also nur falls ihr euch mal in die Gegend verirren solltet 🙂 )

  2. Liebe Katrin ,ich mag deine Gedanken immer wieder sehr gerne lesen. Du schaffst es immer wieder mich etwas aus dem Konsumwahn zu befreien. Augen auf für das Wesentliche!! Danke dafür
    Dani

  3. Da muss ich aber mal sagen, warum hast du nicht second Hand geschaut? Es gibt viele Leute die ihre Business Sachen scheinbar nur ein Mal tragen. Ansonsten finde ich durchaus schicke bezahlbare fair und Öko Business Klamotten, bei mir ist das Problem nur das meine Größe nicht angeboten wird. Hast du mal beim Avocadostore geschaut?

    • Klar hab ich da geschaut 😉 Aber leider nix gefunden, was mir wirklich gefällt. People Tree hat hin und wieder mal was echt hübsches, ansonsten wirds echt mau. Und Second Hand, weißt du, damit habe ich das Problem, dass ich die Sachen, die andere ausmisten auch ausmisten würde. Daher finde ich auch nur sehr selten was auf Flohmärkten. Leider…

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