Gescheitert: Meine erste Mutmach-Mütze

Natürlich habe ich nicht direkt am Mittwochabend mit dem Mützenhäkeln angefangen, weil noch ein Haufen Arbeit auf mich wartete. Aber jetzt ist sie fertig, meine erste Mütze für die Maschimaschen Mutmach-Mützen der lieben Bea. Und, ähm, schluck, sie ist ganz schön klein geworden. Weil ich so eine „Ich mach das jetzt schnell mal“ Aktion gestartet habe und nicht erst mal noch in einer vernünftigen Anleitung nachgelesen habe. Jetzt liegt da diese kleine Mütze vor mir, die gerade mal so meinem einjährigen Mini-Man passt (der zugegeben einen recht großen Schädel, äh, Kopfumfang, hat) und beim Gedanken, dass ein vielleicht wirklich so ein kleines Menschlein da draußen gibt, das diese Mütze tragen wird, wird mir ganz anders. Weil dieses kleine Mini-Menschlein die Mütze ja nicht einfach trägt, um den Kopf warm im kalten Winter warm zu halten. Sondern weil dieser kleine Kopf alle Haare bei der HOFFENTLICH lebensrettenden Chemo verloren hat. Und deshalb extra warm gehalten werden muss. Puh.

Die erste Maschimaschen Mutmach Mütze

Die erste Maschimaschen Mutmach Mütze

Kinder leiden zu sehen, das ist das Unerträglichste überhaupt. Seit ich Mama bin, verschließe ich die Ohren vor sämtlichen Kindergrauennachrichten, kann eigentlich keinen Tatort mit Kindern gucken und muss, wenn das doch mal passiert, meine eigenen danach stundenlang drücken und bekuscheln (finden die nicht so toll) – obwohl sie mir natürlich manchmal so unglaublich auf den Nerv gehen, dass ich am liebsten meine sieben Sachen packen würde und.. Egal, die nächste Mütze muss größer werden, denn auch wenn es keinesfalls irgendwie besser ist, wenn die kranken Kinder größer sind, mit diesen ganz kleinen hilflosen Babykranken komme ich noch weniger klar als mit dem schlimmen Rest. Puh.

Tag 343: Wolle vs. Stoff

Seit Wochen wollte ich es machen und habe mich erfolgreich gedrückt, keine Zeit oder was besseres vorgehabt, zu müde gewesen oder Kinder-Action als Ausrede genutzt. Aber heute gabs kein Weg dran vorbei, heute hab ich die Nähmaschine rausgeholt und für das jüngste Winterkind ein paar Kleinigkeiten gemacht. Und auch wenn ich ganz bestimmt nicht das Genie der Häkelnadeln bin, wusste ich ganz schnell wieder, warum ich meine Energie lieber Wolle statt Stoff widme. Nähen sieht bei mir nämlich so aus: Bügeleisen rausholen, Stofffetzen glatt bügeln. Formen aus dem Internet raussuchen und ausdrucken, ausschneiden, auf den Stoff befestigen, dort aufmalen, ausschneiden. Verschiedene Nähprogramme ausprobieren bis das passende dabei ist, dann nähen. Wieder aufmachen, weil Fadengewurstel. Noch mal nähen. Wieder aufmachen weil vernäht. Nochmal nähen. Wieder aufmachen weil schon wieder vernäht. Das könnt ihr  beliebig weiterdenken bis irgendwann am Ende ein halbschiefes Etwas fertig ist. Als Geschenk für hormongeflutete Neumütter taugt das zwar schon irgendwie, versierte Näherinnen hätten aber wahrscheinlich eher ein mitleidiges Lächeln übrig.

Mit Wolle kann ich zwar auch nicht viel besser umgehen, aber Wolle ist geduldig. Verstrickt oder verhäkelt? Dann halt korrigieren und weiter gehts. Nicht zufrieden mit dem Ergebnis? Einfach auftrennen und von vorne anfangen, alles nicht so wild. Vor allem Mützen sind in ner guten Stunde fertig, auch wenn die von mir produzierten wahrlich noch keine Augenweide sind. Aber von mal zu mal (und erst ungefähr nach dem achten Mal mit der gleichen Wolle häkeln mag die nicht mehr) wirds besser und ist vor allem für ergebnisorientierte Menschen wie mich deutlich befriedigender.

Warum ich allerdings überhaupt so ein Interesse an DIY habe, ist mir ein kleines Rätsel. Mit Talent bin ich ja ganz offensichtlich nicht gesegnet und da Geduld auch nicht unbedingt zu meinen allergrößten Stärken zählt, ist es echt erstaunlich, dass ich mich immer wieder an irgendwelchen Projekten versuche. Dabei gibt es durchaus Dinge, bei denen ich mich wirklich gut anstelle. Sportarten aller Art zum Beispiel beherrsche ich bis zu einem gewissen Level in der Regel ziemlich fix. Und hab auch Spaß dran. Backen kann ich auch recht gut und meine Cupcakes sehen eigentlich auch immer recht hübsch aus. Aber Produkte, die man nicht zu sich nehmen sondern gebrauchen will, gehören einfach nicht in meinen schafferischen Dunstkreis. Und dennoch, ich würde so gerne. Warum nur?

Tag 319: Zeichen?

Nein, es geschehen noch nicht Zeichen und Wunder, was meine Handarbeitsfähigkeiten angeht. Im Gegenteil, wenn ich auch nur ein kleines bisschen an Zeichen glaube, sollte ich eigentlich nie wieder eine Häkelnadel in die Hand nehmen. Gestern habe ich nämlich zu allem Übel Joghurt über meinen schon relativ fortgeschrittenen und häkeltechnisch ganz zufriedenstellenden Schal geleert. Auch das noch. Sollte ich vielleicht wirklich einfach meine Finger von Wolle und Co lassen? Beim Nähen stelle ich mich zwar auch nicht so viel besser an, aber eine Nadel habe ich mir immerhin noch nicht in den Nagel gerammt (absolute Horrorvorstellung!). Aber jetzt pappt Joghurt auf dem Schal, bei dem ich mir eigentlich nur wegen der Farbzusammenstellung nicht ganz sicher (beige und türkis), sonst aber ziemlich stolz auf den Fortschritt und meine doch nicht ganz unvorhandenen Fähigkeiten war. Joghurt, hallo, gehts noch? Ich habe den halbfertigen Schal natürlich so gut wie es ging gewaschen, aber ich glaube, er stinkt jetzt nach Brombeer-Pampe. Und ich beginne zu überlegen, was ich damit und den anderen fünf angefangenen Teilen mache. Geduld zeigen, weitermachen und an den Erfolg glauben? Oder die Zeichen deuten und mich auf 2013 vorbereiten, wenn ich nicht mehr darauf angewiesen bin, Dinge selbst zu machen, wenn ich was Neues haben will? Irgendjemand Vorschläge?

Tag 317: Zu doof!

Langsam frage ich mich wirklich, was ich falsch gemacht habe als der liebe Gott handwerkliches Talent verteilt habe. Wahrscheinlich habe ich mit meiner Nebensitzerin gequatscht und gekichert anstatt laut „hier“ zu brüllen und dementsprechend mau sieht es in diesem Bereich bei mir aus. Wobei ich sagen muss, dass ich sehr wohl in der Lage bin, mir auszumalen, wie die Objekte meines Schaffens aussehen würden – an der Kreativität scheitert es also nicht. Es ist tatsächlich einfach die Fingerfertigkeit, die mir fehlt. Das Ergebnis eines Wochenendes mit Handarbeitsslots während des Mittagsschlafs von Little Miss Sunshine: eine Rastafari- und eine Sandmännchen-Mütze, beide gehäkelt. Aber ich wollte eigentlich keine Rastafari oder Sandmännchen-Mützen häkeln, sondern ganz normale Mützen, vielleicht sogar mit Bommel und in jedem Fall tragbar.

Was ich falsch gemacht habe? Keine Ahnung. Wahrscheinlich war die Wolle zu dick (ich habe nämlich die Bravo Big Wolle für die Schlauchschals umfunktioniert, nachdem ich feststellen musste, dass ich die in zehn Jahren noch nicht hinkriegen werde und meine Geduld für so langes Üben nicht ausreicht), ich habe mich mit Sicherheit verzählt (zählen ist nämlich ein großer Bestandteil beim Stricken und Häkeln und nach einem 13-Punkte-Mathe-Abi hätte ich nicht erwartet, dass mich unter anderem das ins Knie zwingt) und Häkeln-lernen mit Youtube hat halt auch seine Grenzen.

Die Schlußfolgerung? Ich häkel jetzt einen Schal. Lacht ruhig. Aufgeben will ich aber noch nicht, was soll ich auch mit den Wollbergen anstellen? Wenn ich es aber irgendwann tue, hab ich folgenden Plan B: Dann lasse ich mir die Sachen von einer Oma stricken. Bei Biodeals gibt es gerade Gutscheine für myoma.de, dem tollen Start-up, die Schals, Mützen und andere Sachen von Omas stricken und häkeln lassen, Omas so eine Beschäftigung geben und außerdem mit jungen Leuten in Kontakt bringen. Kenne ich schon länger und finde ich super. Und dürfte ich jetzt schon shoppen, ich würde wahrscheinlich zuschlagen. Sicherheitshalber. Auch wenn ich sicher bin, dass mein Schal grandios wird. To be continued.