Das Leben der Anderen

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Abfotografiert aus dem tollen flow One-quote-a-day calendar 2015

Reitersblock, Schreibplokkade, Schokolade: Irgendwie fehlt mir gerade die Muse. Irgendwie wollen die Worte gerade nicht so aneinander wie ich es gerne hätte. Irgendwie hab ich gerade auch nicht so arg viel Zeit. Und irgendwie bin ich auch immer noch ein bisschen geflasht und übernächtigt von dem Mega-Konzert der Mega-Fantas gestern Abend. Deshalb lasse ich heute mal die anderen ran und zeige euch ein paar lesenswerte Texte, Webseiten und ach, da Thomas D einen mega kitschigen, aber so schönen neuen Song geschrieben hat, teile ich auch den mit euch. Happy reading!

Das Kaiserinnenreich: Den Blog von Mareice habe ich irgendwann durch Zufall gefunden und er hat mich total gepackt. Mareice schreibt dort nämlich ganz wundervoll über ihr Leben als Mutter von zwei Töchtern, mit und ohne Behinderung. Und sie schafft auf ganz unkomplizierte Weise Verständnis und Nähe und rückt gleichzeitig vieles ins rechte Licht. Regelmäßig interviewt sie andere Mütter mit behinderten Kindern und beim Lesen dieser Interviews laufen mir immer die Tränen über die Backen. Denn auch wenn wahrscheinlich jede von uns zu einer solchen Kämpferin würde, ich bewundere diese Frauen so für ihre Kraft, ihre Stärke und ihren Optimismus.

Mommy, somebody needs you: Ausnahmsweise, ja wirklich ausnahmsweise, gibts hier einen Link zur Huffington Post. Denn dieser Artikel (in Englisch) bringt auf zugegeben recht kitschige Weise das Muttersein so sehr auf den Punkt, dass ich beim Lesen mindestens acht Mal „genau“ gerufen habe. Hier ein kleiner Auszug, aber auch der komplette Text lohnt sich:

„The sooner I can accept that being Mommy means that I never go off the clock, the sooner I can find peace in this crazy stage of life. That „Mommy“ is my duty, privilege and honor. I am ready to be there when somebody needs me, all day and all night. Mommy means I just put the baby back down after her 4 a.m. feeding when a 3-year-old has a nightmare. Mommy means I am surviving on coffee and toddler leftovers. Mommy means my husband and I haven’t had a real conversation in weeks. Mommy means I put their needs before my own, without a thought. Mommy means that my body is full of aches and my heart is full of love.“

Passend dazu schreibt Nina von Gedankenpotpourri (seit ich sie kenne, kann ich auch das Wort Potpourri vehlerfrei schreiben) „Meine Kinder haben meine Karriere gekillt“ – und warum sie ihnen dafür unendlich dankbar ist.

Gott ist mein Zeuge: Mit Gott habe ich es eigentlich nicht so. Zumindest nicht mit dem, der in der Bibel steht oder um den es in der Kirche geht. Da halte ich es wie Maggie Smith aus Downton Abbey: „My Dear, Religion is like a Penis. It’s a perfectly fine thing for one to have and take pride in, but when one takes it out and waves it in my face we have a problem!“ Aber: Das neue Fanta4 Kitschlied, das Thomas D gestern Abend live so schön performed hat und die deutschen Beastie Boys mal kurz zu liebenswerten Familienvätern gemacht hat, das sind Zeilen, die ich meiner Tochter schreiben würde. Und daher gibts hier den Reffreng. Den Rest könnt ihr unter dem Link oben anhören, aber naja, die Studioversion ist nicht halb so gänsehautig wie live.

Du bist du ein Kind dieser Sterne,
ein Engel des Lebens,
du bist der lebende Beweis für mich, für Elfen und Feen,
du bist ein Wesen aus Licht,
ewige Quelle der Freude,
ich gebe mein Leben für dich.
Ja, man, und Gott ist mein Zeuge.
Du bist das größte Geschenk, in diesem Leben für mich.
Denn du bist wunderschön lebendig, wie das Leben an sich.
Und täglich rettest du mich,
deshalb versprech ich dir heute,
Ich würd sterben für dich, ja man,
und Gott ist mein Zeuge.

Das ultimative 10 Schritte Abnehmprogramm gibts bei BleibCOOLmami. Ein kleiner Auszug: Schritt 1: Schaffen Sie sich (mindestens) ein Kind an. Schritt 2: Warten Sie ab. Schritt 3: Nun ist das Kind drei Jahre alt. Um nachfolgende Schritte ausführen zu können, sollten Sie einen Tag wählen, an dem Sie Ihr Kind mindestens 24 Stunden (es kommt Ihnen vor, als wären es 36 Stunden) um sich haben. Wer alle Schritte befolgt, hat garantiert nie wieder zu viel auf den Hüften. Herrlich.

Kiddothekid: Zu guter letzt ein Blogsternchen, das ich neulich erst entdeckt habe. Liz wohnt mit ihrem Mann und dem Kiddo ist Berlin und wurstelt sich dort durch. Wie, darüber bloggt sie in herrlich komischen, nachdenklichen und auch kritischen Stil.

 

So, damit seid ihr erst mal ein bisschen versorgt. Und bald gibts auch wieder was eigenes. Ich hab nämlich eine Idee für eine neue Diät, die nix mit Abnehmen zu tun hat, aber um die mit euch zu teilen (und vielleicht macht ihr ja mit!), müssen die Worte erst wieder aneinander finden. Und ach ja, bald isser fertig, der neue Blog. Dann kommt der ganze Kinderquatsch hier runter und es geht nur noch um Diäten. Und ein guter Mensch sein. Ohne erhobenen Zeigefinger. Happy (vegan) Wednesday euch!

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Abfotografiert aus dem tollen flow One-quote-a-day calendar 2015

 

Ich will nicht, dass du größer wirst! – Ein Brief an meinen Sohn

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Mein lieber kleiner Sohn,

zum ersten Mal in deinem kleinen Leben haben wir zwei, du und ich, einmal ganz ungestört Zeit füreinander. Nur wir zwei, ein ganzes Wochenende lang und sogar noch ein paar Tage mehr, weil deine Schwester und dein Papa zu Oma und Opa gefahren sind. Und weißt du was? Ich genieße das unglaublich.

Ich genieße es, mit dir in aller Ruhe zu kuscheln und nicht daran zu denken, dass deine Schwester auch kuscheln möchte und ich für euch beide Platz finden muss in meinen Armen. Ich genieße es, mit dir in aller Ruhe Türme zu bauen, mit deiner Feuerwehr zu spielen („tut tut“) und mit dir Quatsch zu machen, ohne den Gedanken im Nacken, dass wir gleich irgendwo hin müssen. Ich genieße es, mir richtig viel Zeit zu nehmen um dich ganz gemütlich ins Bett zu bringen, ohne den Druck, dass das schnell gehen muss, da deine Schwester auch müde ist. Wenn du nachts wach wirst bin ich so entspannt, weil ich keine Angst habe, dass du deine Schwester wecken könntest, und weil ich so entspannt bin, schläfst du ganz schnell wieder ein. Und ich genieße es so sehr, meine Zeit, Energie, Aufmerksamkeit, meine Augen und Ohren nicht teilen zu müssen, sondern nur dich zu erleben, zu spüren, zu sehen.

Und: Ich will nicht, dass du größer wirst. Ich weiß, das ist furchtbar egoistisch und zum Glück überhaupt nicht möglich, aber das wurde mir in den letzten Stunden ganz extrem bewusst. Denn mit deinen 15 Monaten bist du EINFACH NUR SÜSS. Alles was du tust ist geprägt von deiner Neugierde, deiner Freude, deinem Entdeckungsdrang, deiner Begeisterung und ist frei von Hintergedanken, Berechnung oder Motivationen. Du bist durch und durch unschuldig. Ich könnte dich den ganzen Tag abknutschen oder am liebsten gleich auffressen.

Wenn ich mich für dich nur ein klitzekleines bisschen zum Affen mache, kicherst du aus voller Kehle, weshalb ich mich für dich sehr gerne zum Affen mache. So sehr, dass es mir schon fast peinlich ist, auch wenn keiner zuguckt. Wenn du deine Mütze aufhast, ziehst du sie dir vor die Augen und sagst „guckuck“ und „daaaa“ wenn du sie wieder hochschiebst und klatschst vor Freude in die Hände. Deine hübschen Augen strahlen dabei über das ganze Gesicht und mein Herz springt fast aus meiner Brust vor Liebe. Wenn ich dich hochnehme, schlingst du deine kleinen Ärmchen ganz fest um meinen Hals, ich schnuppere an deinen Ohren und küsse deine weichen Wangen und will dich gar nicht mehr loslassen. Ich will dich aufsaugen und einsaugen und festhalten und abbusseln und immer beschützen.

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Und auch wenn du mir schon hin und wieder einen Vorgeschmack auf deine Trotzphase gibst – du bist sogar süß, wenn du deinen kleinen Körper vor Wut auf den Boden schmeißt. Weil du noch nicht verstehen kannst, warum du etwas nicht bekommst und ich jetzt noch die Energie habe, darüber zu schmunzeln.

Doch spätestens in einem Jahr bist du nicht mehr nur süß. Dann hast du deine Baby-Unschuld verloren und wirst deine Kraft und deinen Körper einsetzen um zu bekommen, was du möchtest. Du wirst deine Trotzphase ausleben, dich im Supermarkt auf dem  Boden wälzen und meine Worte werden dich nur selten besänftigen können. Ich werde ganz oft ratlos sein, da ich nicht weiß wohin mit all deiner Energie. Und du wirst mich wütend machen und sauer und ich werde hin und wieder glauben, eine schlechte Mutter zu sein, weil ich überfordert bin.

Und auch wenn mir eine weise fünffach-Mutter die schlauen Worte mit auf den Weg gab: „Großwerden ist ein ständiger Tausch. Man gibt etwas schönes her und bekommt dafür etwas anderes schönes. Und man gibt etwas doofes her und bekommt dafür etwas anderes doofes“ und du natürlich selbstständiger, noch toller mit deiner Schwester spielen und Nachmittage bei deinen Freunden verbringen wirst, wir in den nächsten Jahren ganz viel Freiraum und vor allem auch jede Menge Schlaf zurückgewinnen werden – ich finde es furchtbar schlimm, dass du irgendwann nicht mehr so klein und süß und unschuldig sein wirst. Und ich weiß, that’s life. Trotzdem.

Deswegen genieße ich die Zeit bis Dienstag mit dir alleine bis aufs Äußere. Und versuche, diese Momente, dich, deine Begeisterung, dein fröhliches, unschuldiges Wesen irgendwie in mir zu konservieren und mich satt sehen und knutschen an deinem ganzen SÜSS. Schade, dass noch niemand eine Gefühls-Memory-Box erfunden hat, die man immer rausholen kann, wenn man sie braucht. Die könnte ich wirklich gut brauchen.

Ich liebe dich, mein kleiner Schatz. Unendlich.

Deine Mama

Genieße deine Kinder!

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Genieße deine Kinder – sie werden so schnell groß! Diesen Spruch bekomme ich immer wieder zu hören, von Leuten, deren Kinder schon groß sind. Insbesondere von meiner Mutter, deren Kinder viel zu schnell groß geworden sind. Und oh ja, ich genieße meine Kinder wirklich in vollen Zügen. Wenn Mini-Me alle fünf Minuten zu mir gehüpft kommt und mir einen Kuss auf die Backe drückt, weil sie mich so lieb hat, dann wird mein gesamter Körper von Liebe durchströmt und das genieße ich sehr. Oder wenn ich mit ihr lache, weil sie lustige Fragen stellt, zum Beispiel, was denn in dem Karton drin sei, der rappelt wenn ich bis drei zählen muss, dann freue ich mich über die gekonnt entschärfte Situation und genieße das sehr. Ich bin auch unheimlich stolz und genieße es, wenn sie mir unbedingt von ihren drei Gummibärchen eines abgeben will, weil ich auch eines haben soll und könnte dieses großzügige Kind abknutschen, denn es ist ihr egal, dass sie jetzt nur noch zwei Gummibärchen hat.

Wenn Mini-Man auf mich zugewackelt kommt und mir stolz zeigt, dass ein Schwein grunzt, ein Hund wau wau und ein Auto tut tut macht, dann erfüllt sich mein Herz so sehr mit inniger Liebe, dass ich gar nicht anders kann als genießen. Und wenn er jedes Mal erfreut in die Hände klatscht und sich selbst applaudiert, wenn er einen Stapelbecher auf den anderen stellt ohne dass der Turm umfällt, dann klatsche ich auch ganz fest in meine Hände und genieße es sehr. Und ich genieße es unendlich, wenn ich mit beiden Kindern kuschelnd auf der Couch liege und sich ihre süßen, beschützenswerten, kleinen Körper an mich schmiegen. Dann ist alles gut und genießen ist eigentlich gar kein Ausdruck.

Wenn Mini-Man beschließt, selbst essen zu wollen, da er mit 15 Monaten schon groß ist, dann ganz klar, genieße ich das und unterstütze ihn, weil ich eine gute Mutter sein will und gute Mütter ihre Kinder in ihrer Selbstständigkeit unterstützen. Hilf mir, es selbst zu tun, mach ich, genießend. Wenn er nach 30 Sekunden seinen Löffel samt daran klebenden Früchtebrei hinter sich schmeißt und mit den Händen weiter isst, dann weiß ich, dass ich mich darüber freuen muss, denn er hat das selbst entschieden und is(s)t demnach ziemlich selbstständig. Und auch wenn der Brei auf dem ganzen Tisch, seinem Stuhl, seinen Haaren, seinen Pulliärmel, dem Boden und überall, und ich meine wirklich überall landet, nur nicht in seinen Mund und er dorthin lieber den Inhalt meines Glases befördert und sich an dem so sehr verschluckt, dass er sich und sein gesamtes Umfeld klatschnass macht, Früchtebreistückchen inklusive, dann genieße ich seine tolle Entwicklung und freue mich, dass er nicht erstickt ist. Und dass ich ihn vor dem Essen gerade gebadet habe (try and error), ach, was solls. Ich genieße das schließlich.

Und wenn Mini-Me morgens um 6:15 neben meinem Bett steht, obwohl sie nach Skikurs und Kindergeburtstag und damit verbundenen späten Ins-Bett-Gehen am Vortag eigentlich noch im komatösen Schlaf liegen müsste, dann na gut, genieße ich das. Denn sie hüpft zu mir ins Bett und kuschelt sich an mich und da kann ich gar nicht anders als das genießen, obwohl ich wirklich sehr sehr müde bin. Wenn ich kurz darauf ihre Knie und Ellbogen in meinen Weichteilen spüre, da mit ihr zusammen auch ihr Kompagnon, die Zappelphilippa, wachgeworden ist, dann genieße ich das natürlich auch, ist ja mein Kind und mein Kind soll ich genießen, sagen die Leute. Und wenn ich mich zwei Minuten später aus dem schönen, warmen und nach mir rufenden Bett quälen und mit ihr aufs Klo gehen muss, weil sie sich plötzlich alleine nicht mehr traut, dann naja, bemühe ich mich sehr, das voll und ganz zu genießen. Auch wenn sich Mini-Me um 6:20 Uhr auf den Boden schmeißt, da ich es gewagt habe, ihr das Handtuch zum Händeabtrocknen zu reichen, obwohl sie es sich selber nehmen wollte, atme ich nur kurz ein bisschen tiefer, aber insgeheim genieße ich diesen Trotzmoment mit jeder Faser meines Körpers und frage mich, warum mir Leute immer wieder sagen, ich soll meine Kinder genießen, obwohl das doch das natürlichste und einfachste und selbstverständlichste überhaupt ist und ich keinen blassen Schimmer habe, warum diese Leute annehmen, dass ist das nicht jede verdammte Sekunde lang tue.

Die haben wirklich keine Ahnung, diese Leute.

 

Schau in die Augen der Kinder: Fröhliche Weihnachten!

Heute isses soweit, Weihnachten, Christkind, Geschenke, Kinderaugen, alles samt. Puh bin ich gespannt, wie der Tag heute wird! Hoffentlich nur halb so schön wie gedacht, dann ist alles mehr als gut! Und weil ich am letzten Adventswochenende einen Moment hatte, der so gut zu heute passt, möchte ich den mit euch teilen, bevor ich später ganz offiziell noch einmal Frohe Weihnachten sage. Nämlich:

Am Sonntag Spätnachmittag saßen wir im Auto, wir alle vier, und fuhren von guten Freunden nach Hause, als mir die Idee für meinen diesjährigen Weihnachtspost kam. Wir hörten nämlich für uns ganz besondere Musik: Die Weihnachts-Platte von Udo Jürgens. Kitschig? Na klar! Aber die gab es bei meinem Mann schon als Kind und sie versetzt ihn sofort in nostalgische Kindheitsstimmung mit Rührungstränen, in diesem Jahr noch viel mehr als sonst (ich weiß, von Udo hatte ich es in den letzten Tagen schon öfter. Aber der Text hier entstand vor den anderen, daher bitte entschuldigt. Und er lohnt sich! ). Als wir zum ersten Mal selbst als Familie Weihnachten feierten und draußen tatsächlich die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen („Schauuuuu es schneit“), hat sie Einzug in unser Heim gefunden – anfangs noch ein wenig von mir belächelt, da sie wirklich unglaublich kitischig ist, aber ganz ehrlich, welche Weihnachtsmusik ist eigentlich nicht unglaublich kitschig. Und irgendwann hab ich mal auf die gar nicht so kitschigen Worte der kitschigen Musik gehört und innerhalb ganz kurzer Zeit hat sie sich auch in mein Herz gesungen.

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Als wir also am 4. Advent nach Hause fuhren und mir mein Post von diesem Tag noch ein wenig in den Knochen steckte, denn so sehr die Hosen runter lassen, das ist gar nicht so einfach und gleichzeitig war ich überwältigt von soviel Zuspruch und Mitgefühl, sang Udo ein Lied für mich. Und ich wusste plötzlich, was ich heute, am Heiligen Abend, mit euch teilen möchte. Wenig später zu Hause las ich den Post einer guten Freundin „R.I.P. lieber Udo! Danke für alles.“ und hatte Tränen in den Augen, so irrwitzig war dieser mein persönlicher Zusammenhang. Daher noch viel passender, Udos Songtext zu Kinderaugen (und am allerbesten hört ihr ihn euch an, auch wenn die Musik seeehr kitschig ist…)  und wunderschöne, unendlich fröhliche Weihnachten für euch alle!

Schau‘ in die Augen der Kinder

Schau‘ in die Augen der Kinder, jetzt in der Weihnachtszeit. Schau‘, wie sie alle noch glauben, die Welt wär‘ ohne Leid. Schau‘ in die Augen der Kinder, denk‘ an die Jugend zurück. So strahlten auch einmal deine, vor Freude und vor Glück.

Bald wird das Leben sie lehren, daß man dies und das nicht haben kann. Dinge, die sie dann begehren, bringt kein Christkind mehr, kein Weihnachtsmann.

Schau‘ in die Augen der Kinder, und als Geschenk halt‘ bereit, daß was ihnen niemand mehr nehmen kann – eine frohe Kinderzeit.

Schau‘ in die Augen der Kinder, wenn sie vor dem Tannenbaum steh’n. Dann mußt du ihr vertrauen, in unsere Liebe seh’n.

Schau‘, wie die Augen der Kinder leuchten im Kerzenschein, aber so froh, wie die deinen, wird heut‘ manches Kind nicht sein.

Eh sie zu leben beginnen, steht an ihrem Bett bereits die Not. Wann wird die Welt sich besinnen, daß der Frost noch mehr den Blüten droht. Schaut‘ in die Augen der Kinder, viele sagen uns stumm, daß sie an das Gute noch glauben und bald nicht mehr wissen warum.

Mutterfrust: Mom doesn’t rock

Liebe Leser,

ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text wirklich veröffentlichen soll, denn ich muss euch heute etwas gestehen, und das fällt mir nicht so leicht: Ich finde, ich bin momentan keine gute Mutter. Ja, trotz all der Lucie-Marshall #Momsrock Lobhudelei, die ich total klasse finde, muss ich der nackten Wahrheit ins Gesicht schauen und mir eingestehen: Ich mache meine Sache als Mutter von Mini-Me gerade nicht so gut. Puh, jetzt ist es raus.

Ob es daran liegt, dass sie gerade einmal wieder eine anstrengendere Phase durchmacht und das, worum ich sie bitte grundsätzlich erst dann tut, wenn ich ihr mit einer Strafe drohe oder sie besteche  (und ehrlich, ich kriege selbst schon Plack, wenn mir schon wieder ein „wenn…dann“-Satz rausrutscht) oder ob ich mit meinen Gedanken gerade ständig woanders bin, und sie deswegen, das worum ich sie bitte erst dann tut (…), ich weiß es nicht. Ist vermutlich auch egal, denn die Ei-oder-Henne-Frage lässt sich eh nicht lösen.

Das schlimmste daran: Mini-Man bin ich gerade eine hervorragende Mutter. Ich schaffe es prima, mit ihm zu spielen und zu kuscheln und ihm vor allem ganz viel Nähe zu geben, die er als frischgebackenes Krippenkind ganz doll nötig hat, damit er versteht, dass ich ihn nicht verlasse (hach ja). Und irgendwie überschleicht mich eine leise Angst: Was, wenn ich nur als Mutter von Babys und Kleinkindern geeignet bin? Gibt es sowas?

Denn tatsächlich, bei den ganz Kleinen habe ich die totale Gelassenheit und die Ruhe weg. Ein schreiendes Baby kriege ich meistens irgendwie beruhigt, weil ich gar nicht erst erwarte, dass es versteht, was ich will. Geht ja auch nicht. Mit Babys und kleinen Kindern darf man ganz viel kuscheln – und kuscheln kann ich wirklich gut. Babys und kleine Kinder muss man füttern, baden und Windeln wechseln und all das ist eine meiner leichtesten Übungen. Lieder singen, Guckuck-Spielchen, Kitzeln und Baby-Blödsinn machen – alles kein Problem. Erziehen? Jetzt wird’s heiß.

Meine Maßnahmen ziehe ich momentan aus der untersten Schublade, kreative Spielchen oder Animationen, damit Mini-Me einfach mal hört ohne dass ich schimpfen muss, die fallen mir gerade nicht ein. Ihre Zappeleinheiten beim Abendessen ertrage ich nicht mal mit Extrem-Mantra-Singen und frage mich, seit wann die eigentlich wieder so schlimm sind. Sie waren doch so lange fast weg. Genervte „Hör auf“ Rufe und „Ich sag es jetzt zum Letzten Mal“ Drohungen sind Dauerbrenner. Und Sätze wie „Verdammt noch mal! Es kann nicht sein, dass ich immer erst schimpfen muss, bevor du etwas machst. Das hast du nicht gemacht und das nicht und das auch nicht“ hört Mini-Me gerade mindestens einmal am Tag. Und ich glaube, sie benutzt die gleichen inzwischen schon beim Vater-Mutter-Kind Spielen mit ihren Freunden oder ihren Puppen. Ich könnte im Boden versinken, so sehr wird mir der Spiegel vorgehalten und so laut möchte ich schreien: „Halt! So spricht man doch nicht mit seinem Kind!“ Und ich hätte nie gedacht, dass es manchmal so schwer ist, Mutter zu sein.

Während ich das schreibe, überkommt mich noch eine Angst: Was, wenn ich aus dieser Spirale nicht mehr herausfinde? Was, wenn ich nicht wachse mit meinen Aufgaben? Wann war eigentlich der letzte Moment, den ich so richtig mit Mini-Me genossen habe? Der nicht geprägt war von Müssen sondern von ganz viel Spaß und Freude? Ganz ehrlich: Ich weiß es gerade nicht.

Natürlich bin ich ständig unheimlich stolz auf sie und freue mich über Dinge, die sie tut. Wenn sie singt, geht mir das Herz auf, so sehr, dass es aus den Augen ein paar Tränchen rausdrückt. Sie ist so unglaublich süß mit ihrem kleinen Bruder und die beste große Schwester, die ich mir vorstellen kann. Beim memory Spielen zieht sie mich regelmäßig ab und dass sie das recht komplizierte Zahenspiel Skip-Bo schon kapiert, hat mich total umgehauen. Und wenn sie sich abends an mich kuschelt und (trotz allem!) „Meine Lieblingsmama“ sagt, dann ist eigentlich alles wieder gut. Bis sie zwei Minuten, nachdem wir sie ins Bett gebracht haben, wieder draußen steht, weil sie vergessen hat, mir was zu sagen. Nämlich „Du Mama? Äääähm…..“. Und ich schon wieder genervt bin, weil sie doch schlafen soll.

Vielleicht brauche ich auch einfach mal wieder eine Auszeit. Kinderfreie Luft atmen und mein Herz mit Sehnsucht nach ihr füllen. Geduld in den Rucksack packen und jede Menge Spaß und Verständnis. Denn ich will weder eine „Du musst“ Mutter sein noch eine, die nur mit Babys und kleinen Kindern gut ist. Ich will eine Mutter sein, die ihre Sache so gut macht, wie es eben geht. Mit allen Opfern und Fehlern und Kämpfen. Aber auf keinen Fall mit der Halbherzigkeit und dem Genervtsein, mit denen ich momentan bei der Sache bin.

Manchmal hilft es ja, sich die Last von der Seele zu schreiben. „Seelenheilen“ nennen einige Blogger oft ihre Beschäftigung. Trifft bei mir auch zu, denn wenn ich meinen Gedankenwust erst einmal sortiert und aufgeschrieben habe, dann geht es meistens wieder. Hoffentlich. Mini-Me zuliebe. *

Und noch etwas, das so wahnsinnig gut dazu passt (bei meiner Blogger-Seelenfreundin Gedankenpotpourri gefunden):

“Ein Kind hat
100 Sprachen
100 Hände
100 Gedanken
100 Weisen
zu denken, zu spielen und zu sprechen.

Immer 100 Weisen
zuzuhören, zu staunen und zu lieben
100 Weisen
zu singen und zu verstehen
100 Welten zu entdecken
100 Welten zu erfinden
100 Welten zu träumen.

Ein Kind hat 100 Sprachen
doch es werden ihm 99 geraubt.
Die Schule und die Umwelt
trennen ihm den Kopf vom Körper.

Sie bringen ihm bei
ohne Hände zu denken
ohne Kopf zu handeln
ohne Vergnügen zu verstehen
ohne Sprechen zuzuhören
nur Ostern und Weihnachten
zu lieben und zu staunen.

Sie sagen ihm
dass die Welt bereits entdeckt ist
und von 100 Sprachen
rauben sie dem Kind 99.

Sie sagen ihm,
dass das Spielen und die Arbeit
die Wirklichkeit und die Phantasie
die Wissenschaft und die Vorstellungskraft
der Himmel und die Erde
die Vernunft und der Traum
Dinge sind, die nicht zusammengehören.

Sie sagen also,
dass es die 100 nicht gibt.

Das Kind sagt:
Aber es gibt sie doch.”

Loris Malaguzzi (1920-1994), ital. Pädagoge

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* Hat es. Den Text habe ich nämlich schon vor ein paar Tagen geschrieben, als ich wirklich verzweifelt war. Inzwischen gehts zum Glück tatsächlich wieder, weil meine Gedanken und Gefühle sortiert sind und der erste Schritt „Erkenntnis“ bei mir meistens schon ganz gut hilft. Puh.

Und dann bist du schon gestorben…

So oder so ähnlich enden bei uns momentan viele Unterhaltungen mit Mini-Me. Denn die knapp vierjährige Maus hat in den letzten zwei Monaten ganz schön viel Tod mitbe-kommen. Gleich drei, um genau zu sein. Drei mal Tod in zwei Monaten ist schon für uns Erwachsene zu viel. Aber für eine knapp Vierjährige gar nicht begreifbar. Denn wie soll so ein kleiner Mensch verstehen, dass Oma und Opa nicht mehr wieder kommen und Papa und Mama deswegen ganz schön traurig sind. Dass es für uns Erwachsene befremdlich ist, wenn ihre Karottenstücke (Karottenstücke!) oder ihre unsichtbaren Freunde Elias und Moritz im Spiel sterben. Dass sie bei jedem Geburtstag fragt (und dabei hilflos lacht), ob man jetzt stirbt, weil die Uroma mit 92 gestorben ist und für eine fast Vierjährige der Unterschied zwischen 92 und 45 nicht allzu groß ist. Oder dass wir seufzen, wenn sie sagt „Dann feiern wir wieder Beerdigung!“, weil „feiern“ normalerweise etwas sehr fröhliches ist und dabei eigentlich keiner weint. Und wir Tränen in den Augen haben, wenn sie uns eine Geschichte von Engeln im Himmel erzählt und dabei feststellt, dass der Friedhof aber hier unten und gar nicht im Himmel ist, obwohl wir doch sagten, dass Oma jetzt im Himmel sei.

Wie erklärt man seinem Kind den Tod? Vor allem wenn es erst vier ist und die Bedeutung von „endgültig“ in seinem kleinen Leben normalerweise nicht über „morgen gibt es keine Süßigkeiten“ hinaus geht? Wie macht man ihr klar, dass der Tod uns Erwachsene traurig macht, weil Oma und Opa im Gegensatz zu Moritz und Elias nicht nur im Spiel gestorben sind, sondern wirklich nicht mehr wieder kommen? Dass der Tod das Leben verändert und dass sie uns sehr fehlen? Aber dass wir alle irgendwann sterben und das ganz normal ist und zum Leben dazu gehört? Und das ganze bitte ohne ihr Angst zu machen?

So viele Fragen und so wenige Antworten, die sich auch nur annähernd gut anfühlen. Genau wie „Und dann bist du schon gestorben“ oder „Stirbt man dann?“, was mal fröhlich, mal provozierend, mal ängstlich sein kann und auf das uns eigentlich nie eine passende Reaktion einfällt. Und gibt es ihn eigentlich wirklich, den Himmel?

Jeder bekommt die Kinder, die er verdient oder wie erziehe ich einen Kaputtnix?

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Meine Eltern sagten früher, als ich noch klein und unschuldig war, sie wünschen mir, dass ich später genau solche Kinder bekomme, wie mein Bruder und ich welche waren. Und in meinen unschuldigen Kinderjahren antwortete ich darauf immer „Toll! Das werden die besten Kinder der Welt!“. Heute weiß ich, was meine Eltern damals meinten: Denn ich habe genau solche Kinder bekommen. Und auch wenn die natürlich die besten der Welt sind, sie mich unglaublich glücklich, stolz, fröhlich, erfüllt, liebevoll, staunend, ungläubig und vor Freude und Liebe ohnmächtig machen, mir eine ganz neue Welt eröffnet und meinem Leben einen ganz neuen Sinn gegeben haben und tatsächlich das Schönste sind, das ich je gemacht habe (meine Herren, da werd ich ja ganz gefühlsduselig!), sie sind ganz bestimmt nicht, mhm wie soll ich sagen, naja also, sie sind eben nicht irgendwie R-U-H-I-G.

Sie sind nicht die Kinder, die still und leise in einer Ecke malen, puzzlen oder Bücher anschauen. Oder die mit Begeisterung Puppen an und ausziehen. Oder die stundenlang Hörspiele anhören. Oder überhaupt irgendwas machen, das nicht den Einsatz von zuckenden, schlenkernden, kreisenden, tappenden, klopfenden oder sonst irgendwie in Bewegung funktionierenden Körperteilen verlangt. Zumindest gilt das für Mini-Me, deren  Hupfdolen-, Zappelphilippa -und Stehnichtstill-Gene mit ihren 3 3/4 Jahren (das letzte Viertel ist sehr WICHTIG!) leider wirklich nicht vertuschbar sind – und ich fürchte Mini-Man hat von denen auch eine nicht allzu kleine Ladung abbekommen.

Viel lieber nämlich toben sie mir vollem Körpereinsatz herum und trimmen dabei gleichzeitig ihre Stimme zu Höchstleistungen. Mini-Me kann eigentlich nicht normal gehen, sondern bewegt sich am liebsten springend, hüpfend oder rennend fort. Und sie ist immer irgendwie schmutzig. Weil sie sich beim Springen, Hüpfen oder Rennen das Knie aufgeschlägt, im Matsch oder sonstigem Dreck landet oder beim Kreidemalen nicht nur den Boden sondern auch sich selbst vollmalt.

So nervenaufreibend ich das manchmal finde und so sehr ich typische Mädchenmütter in diesen Momenten beneide, deren Prinzessinnen tatsächlich malend, puzzlend oder bücherlesend in den Ecken sitzen, so sehr muss ich mir immer wieder eingestehen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ich bin auch auf jeden Baum geklettert, jede meiner Hosen hatte Löcher oder mindestens Grasflecken an den Knien und Klamotten, die heller als dunkelblau waren, kamen in meinen ersten zwölf Lebensjahren wegen Überschmutzungsgefahr eher nicht an meinen Körper. Und auch wenn ich mir für all diese Situationen ein bisschen mehr Zen wünsche, weiß ich, dass solche Kinder wahrscheinlich trotz aller Anstrengung gut zu mir passen.

Doch eine Sache geht mir tierisch auf die Nerven und dabei bin ich mir nicht so sicher, dass ich genauso war: Bei uns herrscht immer Chaos. Denn wenn Mini-Me doch einmal malt, ist meistens neben dem Papier auch die komplette Unterlage voller Farbe, und je nachdem aus was diese besteht, ist das mehr oder weniger doof. Fast keines ihrer Puzzle ist noch komplett und wenn sie sich alleine Bücher anschaut, sind die Seiten danach ziemlich sicher verknickt. Ich weiß, sie ist erst 3 3/4 und ich will gar nicht erwarten, dass es in ihrem Zimmer immer tipptoppi aussieht, denn schließlich ist ja ein Kind (MEIN Kind). Aber ein bisschen mehr Sorgfalt und die prozentuale Wahrscheinlichkeit von zumindest 50%, dass sie nicht zielgerichtet auf die Sachen tritt, die auf dem Boden liegen, oder dass sie das wenigstens bemerkt und runter geht, wünsche ich mir schon. Die Aussagen meiner Freundinnen sind meistens milde (denn sie ist ja sooo süß!), aber ich frage mich: Bin ich zu anspruchsvoll oder ist es noch vollkommen ok, wie Mini-Me drauf ist?

Ich weiß, dass sie nicht gerade zu den größten Feinmotorikerinnen unter uns gehört und da sie grobmotorisch dafür um so fitter ist, mache ich mir keine all zu großen Gedanken, wenn eben immer mal was kaputt geht. Dennoch, diese „Ist mir egal“ Einstellung ihren Sachen gegenüber – denn es stört sie in der Regel auch nicht, wenn wir die kaputten eine Zeitlang wegnehmen – verursachen hin und wieder Nervenzusammenbrüche. Und ich frage mich, wie wir ihr ein bisschen mehr Achtsamkeit beibringen können. Wie wir es irgendwie schaffen, dass nicht irgendwann all ihre Spielsachen kaputt sind und ich keine Schweißausbrüche mehr bekommen muss, wenn Mini-Me fremde Kinderzimmer entert. Wie sie versteht, dass Dinge einen Wert haben und es nicht egal ist, ob sie ganz oder kaputt sind.

Bestimmt ist das, wie so vieles andere, wieder nur alles eine Frage der Zeit, aber ich wünsche mir, dass die ganz schnell rum geht. Denn mein verfügbares Om geht für die aufgeschlagenen Knie, die ständig dreckigen Sachen und die Lautstärke meiner Kinder komplett drauf. Auch wenn sie natürlich die besten der Welt sind, ich sie unendlich liebe und sich all der körperliche, nervliche und psychische Einsatz, den sie mir abverlangen mehr als lohnt. Und weil sie genau die sind, die meine Eltern mir schon vor Jahrzehnten wünschten. Seufz.