Jeder bekommt die Kinder, die er verdient oder wie erziehe ich einen Kaputtnix?

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Meine Eltern sagten früher, als ich noch klein und unschuldig war, sie wünschen mir, dass ich später genau solche Kinder bekomme, wie mein Bruder und ich welche waren. Und in meinen unschuldigen Kinderjahren antwortete ich darauf immer „Toll! Das werden die besten Kinder der Welt!“. Heute weiß ich, was meine Eltern damals meinten: Denn ich habe genau solche Kinder bekommen. Und auch wenn die natürlich die besten der Welt sind, sie mich unglaublich glücklich, stolz, fröhlich, erfüllt, liebevoll, staunend, ungläubig und vor Freude und Liebe ohnmächtig machen, mir eine ganz neue Welt eröffnet und meinem Leben einen ganz neuen Sinn gegeben haben und tatsächlich das Schönste sind, das ich je gemacht habe (meine Herren, da werd ich ja ganz gefühlsduselig!), sie sind ganz bestimmt nicht, mhm wie soll ich sagen, naja also, sie sind eben nicht irgendwie R-U-H-I-G.

Sie sind nicht die Kinder, die still und leise in einer Ecke malen, puzzlen oder Bücher anschauen. Oder die mit Begeisterung Puppen an und ausziehen. Oder die stundenlang Hörspiele anhören. Oder überhaupt irgendwas machen, das nicht den Einsatz von zuckenden, schlenkernden, kreisenden, tappenden, klopfenden oder sonst irgendwie in Bewegung funktionierenden Körperteilen verlangt. Zumindest gilt das für Mini-Me, deren  Hupfdolen-, Zappelphilippa -und Stehnichtstill-Gene mit ihren 3 3/4 Jahren (das letzte Viertel ist sehr WICHTIG!) leider wirklich nicht vertuschbar sind – und ich fürchte Mini-Man hat von denen auch eine nicht allzu kleine Ladung abbekommen.

Viel lieber nämlich toben sie mir vollem Körpereinsatz herum und trimmen dabei gleichzeitig ihre Stimme zu Höchstleistungen. Mini-Me kann eigentlich nicht normal gehen, sondern bewegt sich am liebsten springend, hüpfend oder rennend fort. Und sie ist immer irgendwie schmutzig. Weil sie sich beim Springen, Hüpfen oder Rennen das Knie aufgeschlägt, im Matsch oder sonstigem Dreck landet oder beim Kreidemalen nicht nur den Boden sondern auch sich selbst vollmalt.

So nervenaufreibend ich das manchmal finde und so sehr ich typische Mädchenmütter in diesen Momenten beneide, deren Prinzessinnen tatsächlich malend, puzzlend oder bücherlesend in den Ecken sitzen, so sehr muss ich mir immer wieder eingestehen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ich bin auch auf jeden Baum geklettert, jede meiner Hosen hatte Löcher oder mindestens Grasflecken an den Knien und Klamotten, die heller als dunkelblau waren, kamen in meinen ersten zwölf Lebensjahren wegen Überschmutzungsgefahr eher nicht an meinen Körper. Und auch wenn ich mir für all diese Situationen ein bisschen mehr Zen wünsche, weiß ich, dass solche Kinder wahrscheinlich trotz aller Anstrengung gut zu mir passen.

Doch eine Sache geht mir tierisch auf die Nerven und dabei bin ich mir nicht so sicher, dass ich genauso war: Bei uns herrscht immer Chaos. Denn wenn Mini-Me doch einmal malt, ist meistens neben dem Papier auch die komplette Unterlage voller Farbe, und je nachdem aus was diese besteht, ist das mehr oder weniger doof. Fast keines ihrer Puzzle ist noch komplett und wenn sie sich alleine Bücher anschaut, sind die Seiten danach ziemlich sicher verknickt. Ich weiß, sie ist erst 3 3/4 und ich will gar nicht erwarten, dass es in ihrem Zimmer immer tipptoppi aussieht, denn schließlich ist ja ein Kind (MEIN Kind). Aber ein bisschen mehr Sorgfalt und die prozentuale Wahrscheinlichkeit von zumindest 50%, dass sie nicht zielgerichtet auf die Sachen tritt, die auf dem Boden liegen, oder dass sie das wenigstens bemerkt und runter geht, wünsche ich mir schon. Die Aussagen meiner Freundinnen sind meistens milde (denn sie ist ja sooo süß!), aber ich frage mich: Bin ich zu anspruchsvoll oder ist es noch vollkommen ok, wie Mini-Me drauf ist?

Ich weiß, dass sie nicht gerade zu den größten Feinmotorikerinnen unter uns gehört und da sie grobmotorisch dafür um so fitter ist, mache ich mir keine all zu großen Gedanken, wenn eben immer mal was kaputt geht. Dennoch, diese „Ist mir egal“ Einstellung ihren Sachen gegenüber – denn es stört sie in der Regel auch nicht, wenn wir die kaputten eine Zeitlang wegnehmen – verursachen hin und wieder Nervenzusammenbrüche. Und ich frage mich, wie wir ihr ein bisschen mehr Achtsamkeit beibringen können. Wie wir es irgendwie schaffen, dass nicht irgendwann all ihre Spielsachen kaputt sind und ich keine Schweißausbrüche mehr bekommen muss, wenn Mini-Me fremde Kinderzimmer entert. Wie sie versteht, dass Dinge einen Wert haben und es nicht egal ist, ob sie ganz oder kaputt sind.

Bestimmt ist das, wie so vieles andere, wieder nur alles eine Frage der Zeit, aber ich wünsche mir, dass die ganz schnell rum geht. Denn mein verfügbares Om geht für die aufgeschlagenen Knie, die ständig dreckigen Sachen und die Lautstärke meiner Kinder komplett drauf. Auch wenn sie natürlich die besten der Welt sind, ich sie unendlich liebe und sich all der körperliche, nervliche und psychische Einsatz, den sie mir abverlangen mehr als lohnt. Und weil sie genau die sind, die meine Eltern mir schon vor Jahrzehnten wünschten. Seufz.

 

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