Tag 343: Wolle vs. Stoff

Seit Wochen wollte ich es machen und habe mich erfolgreich gedrückt, keine Zeit oder was besseres vorgehabt, zu müde gewesen oder Kinder-Action als Ausrede genutzt. Aber heute gabs kein Weg dran vorbei, heute hab ich die Nähmaschine rausgeholt und für das jüngste Winterkind ein paar Kleinigkeiten gemacht. Und auch wenn ich ganz bestimmt nicht das Genie der Häkelnadeln bin, wusste ich ganz schnell wieder, warum ich meine Energie lieber Wolle statt Stoff widme. Nähen sieht bei mir nämlich so aus: Bügeleisen rausholen, Stofffetzen glatt bügeln. Formen aus dem Internet raussuchen und ausdrucken, ausschneiden, auf den Stoff befestigen, dort aufmalen, ausschneiden. Verschiedene Nähprogramme ausprobieren bis das passende dabei ist, dann nähen. Wieder aufmachen, weil Fadengewurstel. Noch mal nähen. Wieder aufmachen weil vernäht. Nochmal nähen. Wieder aufmachen weil schon wieder vernäht. Das könnt ihr  beliebig weiterdenken bis irgendwann am Ende ein halbschiefes Etwas fertig ist. Als Geschenk für hormongeflutete Neumütter taugt das zwar schon irgendwie, versierte Näherinnen hätten aber wahrscheinlich eher ein mitleidiges Lächeln übrig.

Mit Wolle kann ich zwar auch nicht viel besser umgehen, aber Wolle ist geduldig. Verstrickt oder verhäkelt? Dann halt korrigieren und weiter gehts. Nicht zufrieden mit dem Ergebnis? Einfach auftrennen und von vorne anfangen, alles nicht so wild. Vor allem Mützen sind in ner guten Stunde fertig, auch wenn die von mir produzierten wahrlich noch keine Augenweide sind. Aber von mal zu mal (und erst ungefähr nach dem achten Mal mit der gleichen Wolle häkeln mag die nicht mehr) wirds besser und ist vor allem für ergebnisorientierte Menschen wie mich deutlich befriedigender.

Warum ich allerdings überhaupt so ein Interesse an DIY habe, ist mir ein kleines Rätsel. Mit Talent bin ich ja ganz offensichtlich nicht gesegnet und da Geduld auch nicht unbedingt zu meinen allergrößten Stärken zählt, ist es echt erstaunlich, dass ich mich immer wieder an irgendwelchen Projekten versuche. Dabei gibt es durchaus Dinge, bei denen ich mich wirklich gut anstelle. Sportarten aller Art zum Beispiel beherrsche ich bis zu einem gewissen Level in der Regel ziemlich fix. Und hab auch Spaß dran. Backen kann ich auch recht gut und meine Cupcakes sehen eigentlich auch immer recht hübsch aus. Aber Produkte, die man nicht zu sich nehmen sondern gebrauchen will, gehören einfach nicht in meinen schafferischen Dunstkreis. Und dennoch, ich würde so gerne. Warum nur?

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2 Gedanken zu „Tag 343: Wolle vs. Stoff

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