Tag 205: Im Herzen barfuß

Zum Wochenbeginn gibt’s mal wieder einen nachdenklichen Post, I hope you don’t mind. Momentan passiert so viel mit mir und das muss ich einfach mit euch teilen. Mit 14, 15, 16 oder eben, als ich noch jung und unerfahren war, wollte ich die Welt verändern. Oder zumindest verbessern. Ich habe mich so intensiv mit all den Themen auseinander gesetzt, die unsere Welt schlecht, hinterhältig und gemein machen, dass ich zeitweise richtig unglücklich war. Aber ich war Vegetarierin, weil Massentierhaltung und Tiertransporte schon damals ein No-Go waren, fuhr alle machbaren Strecken mit dem Fahrrad oder der Bahn (und da ich früher jeden Tag für mein großes Ziel Olympia trainiert habe (leider gescheitert:-), bedeutete das jeden Tag one way 45 Min Bahnfahren statt 10 Minuten Autokutsche von den Eltern), versuchte Strom zu sparen und Müll zu reduzieren. Denn schon damals wusste ich: Kleinvieh macht auch Dreck und kann etwas bewirken.

Dann wurde alles ein wenig anders – was und wie genau das passiert ist, weiß ich gar nicht mehr genau. Aber irgendwann habe ich aufgehört zu hinterfragen und angefangen, ein schönes, buntes und glückliches Leben zu leben. Denn was man nicht weiß, macht auch nicht heiß. Doch auch wenn ich manchmal auf schicken Events in schicken Kleidern und schick zurecht gemacht bin oder Charity Aktionen erstmal als Kommunikationsmittel benutze, war immer klar: Im Herzen bin ich barfuß. Und ich habe immer versucht, ein guter Mensch zu sein und andere respektvoll zu behandeln, hab gespendet, ausrangierte Kleidung und Möbel Bedürftigen geschenkt, aber all das passierte auf weit weniger idealistischem Level. Das Schlimme an dieser Oberflächlichkeit: Mir ging’s echt gut.

Jetzt bin ich auf Shoppingdiät und darf mich beruflich mit zwei ganz tollen Unternehmen beschäftigen, die die Welt ein bisschen besser machen wollen. Zwei Dinge, die mein Leben und meine Gedanken ziemlich umkrempeln. Ich denke wieder nach über all die bösen Sachen, die an jeder Ecke lauern. Mir wird wieder bewusst, dass man fast nichts richtig machen kann, dass man nicht konsequent gut in allen Lebensbereichen sein kann. Nur Fair Trade, Nachhaltigkeit, Bio und gute Produkte, das geht nicht. Und doch tut es verdammt gut, über all die Dinge nachzudenken, mit anderen darüber zu sprechen und zumindest teilweise zum Umdenken zu bewegen. Gleichgesinnte zu finden und auch beruflich neue Wege zu wagen. Aber ich habe auch ein ganz klitzekleines bisschen Angst. Denn die Frage, wie man trotz all des Schlechten, Hinterhältigen und Gemeinen glücklich sein kann, weiß ich noch nicht genau.

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3 Gedanken zu „Tag 205: Im Herzen barfuß

  1. Ja, das ist tatsächlich DIE ganz große Frage für alle, die nicht blind durchs Leben taddeln wollen. Aber ich glaube, man geht kaputt, wenn man sich permanent all die Schweinereien vor Augen hält, die auf der Welt so passieren. Letztlich wiederholen sich die Probleme immer wieder und wenn man sie einmal kennt, muss man sich nicht täglich drin wälzen.

    Ich denke, es funktioniert am besten, wenn man sich auf konstruktive Dinge konzentriert: konkrete Projekte, bei denen man etwas bewegen kann oder Maßstäbe fürs eigene Leben (z.B. so viel wie möglich bio, öko, fair etc.). Wobei Maßstäbe für mich Orientierung sind, nicht absolutes Muss. Sonst wird das Leben unglaublich kompliziert und freudlos und man selbst ist nicht mehr sozialtauglich. Und das nutzt weder Dir noch der guten Sache.

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